BUND KLASSISCHER HOMÖOPATHEN DEUTSCHLANDS e.V.

Homöopathische Arzneimittel

Gemeinsames Positionspapier zur Verfügbarkeit, Qualität und Sicherheit homöopathischer Arzneimittel

(12.09.2008) in Europa

Ansichten, Bedürfnisse und Forderungen der praktizierenden Homöopathen, die zur Behandlung ihrer Patienten homöopathische Einzelmittel verschreiben

Präambel und Zusammenfassung

Wofür stehen die unterzeichnenden Organisationen?

Grundsätzlich: Sicher zu stellen, dass Patienten Zugang zu homöopathischer Behandlung in hoher Qualität erhalten - dies ist das gemeinsame Ziel der unterzeichnenden Organisationen, das jede Organisation auf ihre eigene Art und Weise und in Zusammenarbeit mit den anderen verfolgt.
Dieses Papier gibt die Sichtweise von Therapeuten und Patienten wieder, die homöopathische Einzelmittel anwenden. Dieses Papier deckt nicht die Bedürfnisse anderer Therapiemethoden ab, die unter die gleichen Gesetze und Vorschriften fallen (z.B. Komplexmittel, anthroposophische Arzneimittel oder spagyrische Herstellungsverfahren). Trotzdem sollten die Forderungen der Anwender dieser Verfahren respektiert werden und ihre Bedenken und Anliegen durch kompetente Experten formuliert werden. Die Verfasser dieses Papiers und herausgebenden Körperschaften sind an Gesprächen interessiert, um einen Konsens zu finden und einen gemeinsamen Weg zu beschreiten.

Begründung

Homöopathie ist per Definitionem eine auf Arzneimitteln basierende Therapie. Sie beruht auf individualisierter, vom einzelnen Patienten und dessen Krankheitszustand abhängiger Verschreibung homöopathischer Arzneimittel. Folglich wird ein großes Spektrum homöopathischer Arzneimitteln in hoher Qualität mit einer Auswahl von Potenzen benötigt, um eine erfolgreiche homöopathische Behandlung zu gewährleisten. Der jüngste, substanzielle und nunmehr fortschreitende Rückgang der Auswahl homöopathischer Arzneimittel in immer mehr europäischen Ländern, dies trotz erheblicher Bemühungen der homöopathischen Arzneimittelhersteller, hat inzwischen eine ernste Situation erzeugt. Diese muss angesprochen werden. Hier geht es nicht um Kostenerstattung, sondern um eine unmittelbare Bedrohung des Patientenrechtes auf eine wirksame homöopathische Therapie. Unverzichtbare homöopathische Arzneimittel sind in mehreren Ländern bereits vom Markt genommen worden. Das steht im krassen Gegensatz zu dem offensichtlich großen Interesse der Bevölkerung an einer homöopathischen Therapie. Umfragen zeigen, dass es ein stetig ansteigender Teil der Bevölkerung ernsthaft interessiert ist, in den Genuss der Komplementärmedizin im Allgemeinen und homöopathischer Behandlung im Besonderen zu gelangen, wo immer dies angebracht und möglich ist. Angesichts dieser ernsten Lage haben das ECH und der ECCH beschlossen, gemeinsam ihre Stimme zu erheben. Unser gemeinsames Ziel ist, die gesamte Bandbreite der homöopathischen Arzneimittel in hoher Qualität zum Wohle der Patienten zu erhalten.

Von Jahr zu Jahr verschwinden immer mehr homöopathische Arzneimittel vom Markt

Gesetzesänderungen, Verordnungen und erhöhte Anforderungen an die Arzneimittelregistrierung auf europäischer wie nationaler Ebene haben in einigen Ländern bereits zu einem drastischen Rückgang der Produktvielfalt geführt. Besondere Sorge haben wir derzeit um den Erhalt der notwendigen Produktauswahl im Bereich der Nosoden, vor allem Nosoden humanen Ursprungs betreffend. Diese Mittelgruppe hat Umfragen von ECH- und ECCH-Mitgliedern zufolge eine zentrale und nicht zu ersetzende Rolle, insbesondere bei der fachgerechten homöopathischen Behandlung chronischer Erkrankungen. Seit 200 Jahren wurden diese Arzneimittel erfolgreich angewendet, nie wurde dabei von ungünstigen Effekten berichtet. Ähnliche Sorgen haben wir um den Erhalt von selten verschriebenen und für den Beruf dennoch unverzichtbaren Mitteln. Die außerordentlich hohen Anforderungen und Kosten für die Einführung neuer homöopathischer Arzneimittel aus bislang noch nicht arzneilich gebräuchlichen Substanzen verhindern zudem eine Innovation der Homöopathie als Therapieverfahren. Wir haben Verständnis für sinnvolle und nachvollziehbare Anforderungen an die Arzneimittelsicherheit. Für Arzneipotenzen oberhalb einer jeweils geeigneten Potenzund Verdünnungsstufe fordern wir jedoch Befreiung von Sicherheitsauflagen, die auf Ausgangsstoffe bezogen sind. Auch bei so genannten biologischen Ausgangsstoffen sind solche Anforderungen nach unserer Erfahrung und in unserem Verständnis nicht notwendig für potenzierte Arzneimittel oberhalb einer jeweils geeigneten Verdünnungsstufe, die fallweise zu bestimmen ist.

An wen wendet sich dieses Papier

Dieses Papier wendet sich in erster Linie an die verantwortlichen Politiker und Entscheidungsträger sowohl der EU wie auf nationaler Ebene. Ebenso richten wir uns mit diesem Papier an die Verbraucher- und Patientenverbände sowie an interessierte Individuen, um der Öffentlichkeit den Ernst der Lage aufzuzeigen. Wir möchten die potentielle Gefahr und den Verlust aus gesundheitlicher und therapeutischer Sicht veranschaulichen. Bei alle Fragen, die sich mit der Qualität von Arzneimitteln beschäftigt, sind die Hersteller unser erster Ansprechpartner und wir wenden uns mit diesem Papier auch an sie, in der Hoffnung, dass wir in dieser Sache zusammenarbeiten können, um den langfristigen Erhalt der vollen Bandbreite homöopathischer Arzneimittel zu gewährleisten. Mit den hier enthaltenen, notwendigen Empfehlungen für homöopathische Arzneibücher wenden wir uns außerdem an die Arzneibuch- Kommissionen.

Warum sind so viele verschiedene Arzneimittel notwendig?

Die homöopathische Behandlung basiert darauf, eines von über 3000 zurzeit existierenden Arzneimitteln auszuwählen - das eine Arzneimittel, welches nach ganzheitlichen homöopathischen Kriterien auf den individuellen Krankheitszustand passt. Im Verlauf der Behandlung kann ein einzelner Patient eine Anzahl von verschiedenen Arzneimitteln benötigen. Für eine Anzahl von Patienten mit der gleichen Diagnose kann es sein, dass jeder Patient eine andere individuelle Verschreibung benötigt. Wenn das angezeigte Arzneimittel nicht mehr erhältlich ist, ist eine erfolgreiche Behandlung gegebenenfalls nicht mehr möglich. In der Erfahrung aller homöopathischen Praktiker sind Nosoden eine sehr wichtige Kategorie homöopathischer Arzneimittel und unverzichtbar in der Behandlung chronischer Krankheiten. Ihr möglicher Verlust hätte für die erfolgreiche Behandlung chronischer Krankheiten schwerwiegende Konsequenzen.

Was wären die Folgen der derzeitigen Entwicklung?

Die derzeitigen Entwicklungen können nicht den Marktanpassungen bei herkömmlichen Arzneien verglichen werden, wo es Dutzende Arzneiprodukte mit der gleichen Wirksubstanz gibt und Arzneimittel aus den unterschiedlichsten Gründen mit der Zeit kommen und gehen. Alle homöopathischen Arzneimittel behalten ihren potenziellen Nutzen zeitlich unbegrenzt. Deshalb ist der gegenwärtige jährliche Verlust homöopathischer Arzneimittel eine Bürde, die auf dem Rücken der homöopathischen Therapeuten und Patienten ausgetragen wird. Die Patienten werden in ihrer freien Therapiewahl eingeschränkt und Therapeuten können nicht länger frei entscheiden, welche Therapiemethode oder welches Arzneimittel für den Patienten am besten ist. Ferner kommen die langfristig erreichbaren positiven Effekte kunstgerecht angewandter Homöopathie auf das Kosten-Nutzen- Verhältnis in unserem Gesundheitssystem nicht zum Tragen, noch wird ein valider Kostenvergleich mit den in die Höhe schnellenden Kosten konventioneller Arzneimittel möglich sein. (2)

Unsere Ziele, kurz zusammengefasst:

  • den Zugang zur kompletten Materia Medica der homöopathischen Arzneimittel zu erhalten,
  • sicherzustellen, dass Patienten und Therapeuten die volle Bandbreite homöopathischer Arzneimittel in hoher Qualität zur Verfügung steht (Qualität impliziert zugleich Sicherheit),
  • fortlaufende Innovation im Bereich homöopathischer Arzneimittel zu unterstützen und zu fördern.


Download:
Joint Position Paper



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