BUND KLASSISCHER HOMÖOPATHEN DEUTSCHLANDS e.V.

Veröffentlichungen

Dialogforum Pluralismus in der Medizin

(20.03.2008) Berlin 23./24. Januar2008

Am 23. und 24. Januar 2008 hatte das Dialogforum Pluralismus in der Medizin zum Symposium nach Berlin geladen.
Hochkarätige Referenten stellten ihre Sicht auf die Zukunft der Individualmedizin vor. Für den Bund Klassischer Homöopathen Deutschlands e.V. (BKHD) nahmen Dr. Eckehard Eibl und Andreas Zenner teil.

Der Präsident der Bundesärztekammer Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jörg Dietrich Hoppe eröffnete die Veranstaltung indem er dafür warb, die Individualmedizin wieder mehr in den Vordergrund zu stellen. Wie schon in Brüssel betonte er, die Medizin sei keine reine Naturwissenschaft, sondern zu einem hohen Maße auch Erfahrungswissenschaft, bei der man nur ein wahrscheinliches Wissen voraussetzte. Er betonte jede gute medizinische Behandlung sei letztendlich eine individuelle d. h. eine auf den Patienten zugeschnittene Intervention.

Prof. Dr. jur. Günther Borchert zeigte aus juristischer Sicht auf, dass es in der Rechtsordnung nur eine Individualmedizin gibt. Er verwies hierbei auf das Gutachten der Uni Leipzig aus dem Jahre 1833 an dessen Gültigkeit sich bis heute nichts geändert habe. Verändert hätten sich lediglich die ökonomischen Rahmenbedingungen, die der Staat vorgibt. Grundsätzlich bestimme der Patient, welche Therapie er in Anspruch nähme. Daraus wäre eventuell zu schließen, dass Evidenzbasierte Medizin und die Ansprüche der besonderen Therapierichtungen unverträglich seien. Er plädierte für eine Stärkung der Individualmedizin und setzte sich dafür ein, weitere Heilberufe einzubeziehen. (Dies würde aber für den Heilpraktikerstand bedeuten, einen vergleichbaren Wissenstand wie die ärztlichen Kollegen nachzuweisen).

Prof. Dr. theol. Franz Josef Illhardt fragte nach dem Selbstbildnis der Therapeuten. Er wies auf den Konflikt zwischen Ideal und Praxis hin, der nur schwer zu überbrücken sei. Hier fehlt häufig das Erleben eines Plausibilitätszusammenhanges zwischen Erwartungen, Erfahrungen und Regelungen. Eine Lösungsmöglichkeit sieht er in der Stärkung der kooperativen Ebene. "Wer weiß und schätzt was er ist, der kann den anderen etwas bieten." Er sieht den Experten als einen Lotsen und sein Handeln dem besten Interesse des Patienten verpflichtet. Einen Erfolg der therapeutischen Bemühungen sieht er im Konsens zwischen Therapeut und Patienten. Doch der Konsens ist Arbeit. So ist der Erfolg der Behandlung immer der Erfolg eines Teams und eine Entscheidung eine gemeinsame Leistung. Wobei eine Entscheidung nicht nur medizinische Fragen, sondern auch Wert - Einstellungen beinhalten sollte. Nur so gewinnt der Konsens Kraft. Wer jedoch kein Selbstbild habe, der könne auch nicht kooperieren.

Prof. Peter Matthiessen von der Universität Witten - Herdecke wies auf die komplizierte Therapeuten - Patienten Beziehungen hin. Die Erwartungshaltung bei beiden Gruppen ist unterschiedlich. Der Arzt ist in erster Linie am Befinden des Patienten interessiert, während der Patient eine Prognose will. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Perspektiven. Mehrere Perspektiven zwingen so zu einer neuen Betrachtungsweise. Er forderte kontrollierte Erfahrung für das Besondere des unaustauschbaren Falles und damit kommt er der homöopathischen Idee sehr nahe. Die Professionalität des Therapeuten gliedert er in vier Stufen: 1. der Therapeut weiß, was er ist 2. er weiß, wie zu behandeln ist 3. er zeigt das Wie 4. er tut es Zu diesen 4 Schritten gehört noch die Reflexion seines Tuns.

Frau Dr. med. Gunver S. Kienle befasst sich mit der Frage, ob die Evidenzbasierte Medizin eine Abkehr von der ärztlichen Therapiefreiheit bedeutet. Mit den Ergebnissen einer Evidenzbasierten Medizin zeigte sie sich aus Sicht der angewandten Erkenntnistheorie unzufrieden. "Könner wissen mehr, als sie sagen können" führte sie aus und spielte damit auf den Erfahrungsschatz der Therapeuten an, der über das Wissen einer Evidenzbasierten Medizin hinausgeht. Für das Vorgehen des Behandlers entwickelte sie 3 Stufen.
1. Beantwortbare Fragen stellen
2. Gewonnene Erkenntnisse bei einem konkreten Behandlungsfall anwenden
3. Das Versorgungsergebnis beurteilen
Diese Leitlinien können wir nur teilen.

Einen hoch spannenden Vortrag lieferte auch Prof. Hans-Konrad Selbmann ab. Er begann mit der provozierenden These "Es reicht heute nicht mehr, gut zu sein, man muss es auch belegen können." Unbewusst sprach er damit das Dilemma einer homöopathischen Behandlung an. Daran schloss sich für uns die Frage an, wie eine homöopathische Fallstudie beschaffen sein müsste und wie sich Belege hierfür beibringen lassen. Er wies darauf hin, dass die Meinung von Experten durchaus auch einen Stellenwert in der Evidenzbasierten Medizin habe. Doch diese gelte es einzufordern. Vor allem stellt sich die Frage, welche Handlungen den Experten auszeichnen. Eine Frage, die auch wir nicht ärztlichen Therapeuten uns durchaus stellen sollten. Es geht aber nicht darum, sich besonders gut darzustellen, sondern um die Nachvollziehbarkeit unseres Handelns.

Natürlich gab es auch, aus der Sicht der Homöopathie, einige Irrwege: So wurde uns ein Computerprogramm für die wohlgemerkt nicht homöopathische, Anamnese vorgestellt. Angeblich bringt dieses Programm eine enorme Zeitersparnis und genauere Ergebnisse. Ob allerdings ein Dialog des Patienten mit dem Computer wirklich der auch gewünschten menschlichen Zuwendung entgegenkommt, sei dahingestellt.

Weitere interessante Vorträge rundeten die spannende Tagung ab. Es entstand der Eindruck: mit tiefem Ernst wurde am Thema Individualmedizin gearbeitet, ja man könnte noch einen Schritt weitergehen und vermuten, dass hier der erste Schritt in Richtung einer neuen Definition therapeutischen Handelns getan wurde. Eine Podiumsdiskussion mit Mitgliedern des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages aus den verschiedenen Parteien rundet die Veranstaltung ab. Leider wurden vor diesem ersten politischen Abtasten keine konkreten politischen Forderungen formuliert und so hielt sich die Diskussion mehr im Allgemeinen. Wie weit sich die Überlegungen des Symposiums weiter entwickeln werden und wie es mit ihrer politischen Durchsetzbarkeit ist, wird die Zukunft erweisen. Ein erster Schritt auf einem richtigen Weg scheint gemacht. A

ndreas Zenner BKHD Ehrenvorstand Bund Klassischer Homöopathen Deutschlands e.V. Schäftlarnstraße 162 81371 München Tel. 089/20 33 26 01 info@bkhd.de www.bkhd.de



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